Aggressionen - Wenn die Katze zuschlägt

 

Was versteht man unter Aggression?

Aggression ist ein affektbedingtes Angriffsverhalten, das sich gegen Artgenossen oder artfremde Lebewesen richten kann. Auch Selbstaggression und die Zerstörung von Gegenständen gehören zum Aggressionsverhalten.
Verhaltensforscher, Psychoanalytiker und Lerntheoretiker debattieren seit vielen Jahren über die Entstehungsgründe der Aggression und sind bislang zu keinem einheitlichen Ergebnis gekommen: Während die psychoanalytische Schule davon ausgeht, dass der Aggressionstrieb angeboren ist, vertreten Verhaltensforscher wie Konrad Lorenz die Meinung, Aggression sei die Auswirkung eines auf Artgenossen gerichteten Kampfinstinktes. Die Anhänger der Lerntheorie hingegen sind der Überzeugung, dass Aggression nicht anderes ist als eine durch die Umwelt bewirkte Verhaltensprägung.

Aggression ist Schutzverhalten

Auch wenn eine angriffslustige Katze aus unserer Sicht heraus "bösartig" handelt, darf Aggression nicht als vernichtender Trieb betrachtet werden. Das Aggressionsverhalten dient in erster Linie dem Eigenschutz und der Arterhaltung. Der Aggressor möchte Artgenossen oder Artfremde auf Distanz halten und äußert dieses Bestreben durch gewisse Verhaltensmuster. Das Aggressionsverhalten soll bewirken, dass sich der Schlüsselreiz (Mensch, andere Katze, Hund) entfernt. Reichen Drohgebärden und eine angsteinflößende Geräuschkulisse nicht aus, um den Störenfried fernzuhalten, erfolgt ein Angriff, der sich durchaus zu einem waschechten Beschädigungskampf steigern kann. Aggressionsverhalten setzt nämlich stets eine latente Handlungsbereitschaft voraus. Wäre eine Katze prinzipiell nicht dazu bereit, ihr Gegenüber anzugreifen, würde sie sofort die Flucht ergreifen und es keinesfalls auf eine handfeste Konfrontation ankommen lassen.

Wann tritt Aggression auf?

Zielgerichtetes Aggressionsverhalten ist in der Regel an bestimmte Situationen gebunden. Die Ursachen willkürlicher Aggression wurzeln eher in einer Verhaltensstörung oder sind eventuell durch eine Krankheit bedingt. Unter natürlichen Umständen verhalten sich Tiere aggressiv, wenn es um Rangordnungsfragen, den Beutefang, die Partnerwahl, den Nachwuchs oder den Eigenschutz geht. Dabei kann sich die Aggression sowohl gegen Artgenossen (intraspezifische Aggression) als auch gegen Artfremde (interspezifische Aggression) richten.
Obwohl Aggressionsverhalten situationsbedingt ist, kann es sich innerhalb ähnlicher Situationen ganz unterschiedlich äußern: Man unterscheidet Kommentkämpfe, Beschädigungskämpfe und Kampfspiele. Der Kommentkampf ist eine Art Kräftemessen; er zielt jedoch nicht darauf ab, den Gegner ernsthaft zu verletzen. Der Beschädigungskampf geht meistens mit schweren Verletzungen oder der Tötung einer der Kontrahenten einher. Kampfspiele können vor allem bei Jungtieren beobachtet werden, spielen jedoch auch bei ausgewachsenen Katzen eine Rolle. Sie haben keinen Ernstbezug und dienen dem spielerischen Einüben des Kampfverhaltens. Spielaggression, Angstaggression und Beuteaggression sind die häufigsten Aggressionsformen bei Katzen.

Schlechte Aufzuchtbedigungen können Aggressionen fördern

Wenn uns der Stubentiger die Zähne zeigt, hat das seine Gründe. Tatzenhiebe und schmerzhafte Bisse kommen nun mal nicht von ungefähr. Unter Umständen wurde der Grundstein des Aggressionsverhaltens bereits in die Wurfkiste gelegt: Schlechte Aufzuchtbedingungen und eine zu frühe Trennung vom Muttertier können die empfindliche Seele eines Kätzchens ganz schön ramponieren.
Legt der Stubentiger ein problematisches Verhalten an den Tag, sollte man die ersten Lebenswochen des Vierbeiners einmal in aller Ruhe Revue passieren lassen. Hat man die Katze selbst aufgezogen, ist es relativ einfach, etwaige Traumata aufzudecken. Stammt die Samtpfote allerdings von einem Züchter, gestaltet sich die Sachlage etwas schwieriger. Als verantwortungsvoller Katzenkäufer hat man den Züchter zwar sorgfältig ausgesucht und sein zukünftiges Kätzchen mehrmals besucht, bevor man es endlich mit nach Hause nehmen durfte und dennoch war man natürlich nicht die ganze Zeit anwesend...
Da kaum ein Käufer die Möglichkeit hat, ein Züchterkätzchen rund um die Uhr zu beäugen und darauf zu achten, dass während der ersten Prägungsphase nichts schief geht, gibt es nur eine Konsequenz: Man sollte den Züchter so genau wie möglich unter die Lupe nehmen, bevor man einem seiner Kätzchen ein neues Zuhause gibt. Das bedeutet natürlich nicht, dass Ihnen der Katzenzüchter sein gesamtes Privatleben offenbaren muss! Achten Sie lediglich darauf, wie sich die im Haushalt lebenden Katzen verhalten; wie sie untergebracht sind und wie der Züchter mit ihnen umgeht. Der Katzenhaushalt sollte einen gepflegten Eindruck machen und auch der Züchter sollte eine sympathische Ausstrahlung haben.

Die Wahl des Kätzchens

Auch wenn Ihnen das schüchterne Kätzchen, das ängstlich im hintersten Winkel des Wohnzimmers kauert, am besten gefällt: Lassen Sie die Finger davon! Introvertierte Katzenkinder neigen eher zu Verhaltens-problemen als aufgeschlossene zufriedene Kitten, die zutraulich auf jeden Besucher zukommen und bereits nach einer kurzen Phase des Kennenlernens zum Spielen aufgelegt sind.
Sicherlich muss sich nicht jedes zurückhaltende Kätzchen zu einem Problemfall entwickeln. Letztendlich hängt es vom Einfühlungsvermögen und der Geduld seines Halters ab, wie es sich entwickelt. Dennoch ist sicherlich nicht zu bestreiten, dass man es mit einem ausgeglichenen Tier wesentlich einfacher hat.

Haltungsbedingungen

Das Umfeld der Katze hat eine überragende Bedeutung für ihr Wohlbefinden. Der Zugang zum Garten und regelmäßiger Freigang kommen den Bedürfnissen der kleinen Jäger sicherlich entgegen. - Leider hat nicht jeder die Möglichkeit, seiner Katze Auslauf zu gewähren. Stark befahrene Straßen, intolerante Nachbarn und andere Faktoren tragen dazu bei, dass viele Samtpfoten zu echten Stubentigern werden.
Das alleine ist an und für sich nicht wirklich schlimm. Eine katzengerecht gestaltete Wohnung, der Kontakt mit Artgenossen und den geliebten Zweibeinern ermöglichen auch einer Wohnungskatze ein angenehmes Leben.
Allerdings sollte bei der Wohnungshaltung einiges beachtet werden: Stubentiger schätzen es überhaupt nicht, den ganzen Tag lang alleine gelassen zu werden. Wer tagsüber außer Haus ist, sollte dafür sorgen, dass seine Katze nicht vereinsamt.
Vernachlässigte Stubentiger neigen dazu, Verhaltensstörungen zu entwickeln. Wer seine Katze den lieben langen Tag alleine in der Wohnung zurückgelassen hat, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Tapete zerkratzt ist oder intensiv riechende Pfützchen auf dem Sofa schimmern. Unsauberkeit und Zerstörungswut sind Anzeichen für eine tiefe Unzufriedenheit des Vierbeiners. Aggressionen gegenüber Menschen können eine weitere Folge sein.

Gesellschaft von Artgenossen

Am besten macht man sich bereits vor der Anschaffung der Katze Gedanken darüber, ob es eventuell möglich wäre, zwei Tiere zu erwerben. Stubentiger sind gesellige Wesen und der Kontakt zu einem Artgenossen ist für eine Wohnungskatze eine tolle Sache. Ein Zweibeiner kann einem Tier nun einmal keinen Artgenossen ersetzen.
Zwei Katzen (oder sogar eine Katzengruppe) praktizieren sämtliche Varianten des sozialen Zusammenlebens: Sie spielen miteinander, kuscheln gemeinsam in der Schlafhöhle, betreiben gegenseitige Ohrenpflege, tragen Meinungsverschiedenheiten miteinander aus und fressen gemeinsam. Folglich gibt es immer etwas zu tun und da ist es gar nicht so schlimm, wenn die Bezugspersonen mal für mehrere Stunden abwesend sind.
Zu einem katzengerechten Haushalt gehören natürlich auch Kratzbäume, Spielsachen und Kuschelecken. Eine sterile Wohnung, in der es nur Gegenstände gibt, die den menschlichen Bedürfnissen dienen, ist für Katzen furchtbar langweilig. Daher sollte man sich als zukünftiger Katzenhalter mit dem Gedanken anfreunden, seine Wohnung tiergerecht zu gestalten. Es gibt zwar sicherlich attraktivere Einrichtungsgegenstände als einen Kratzbaum, aber... Auch Katzen haben ihre Rechte.

Falsche Behandlung

Der Umgang mit Katzen erfordert gewisse Kenntnisse, mit denen sich zukünftige Katzenbesitzer vor der Adoption eines Stubentigers vertraut machen sollten. Wer sich über die Bedürfnisse und Ansprüche seiner Katze hinwegsetzt, verursacht innerhalb kürzester Zeit Verhaltensprobleme, die im Nachhinein nur schwer zu beseitigen sind.
Im Gegensatz zu Hunden lassen sich Katzen nur sehr bedingt erziehen. Man sollte sich daran gewöhnen, dass der Stubentiger seinen eigenen Willen hat und diesen auch weitgehend respektieren. Wer ein folgsames Haustier haben möchte, das seinem Besitzer voll und ganz Untertan ist, sollte auf die Anschaffung einer Katze verzichten.
Katzen reagieren unter Umständen aggressiv, wenn sie gegen ihren Willen auf den Arm gen
mmen werden. Wer seine Katze festhält, obwohl sie deutlichen Unwillen signalisiert, kassiert höchst wahrscheinlich ein paar kräftige Tatzenhiebe. Wird die Katze in diesem Moment auch noch bestraft, verschärft sich das Problem. Der Stubentiger bekommt es unter Umständen mit der Angst zu tun und hegt von nun an eine Aversion gegen den renitenten Zweibeiner. Auch Angst kann aggressives Verhalten fördern.
Man sollte seine Katze prinzipiell in Ruhe lassen, wenn sie schläft, frisst oder mit der Fellpflege beschäftigt ist. Warten Sie einfach, bis der Stubentiger von selbst auf Sie zukommt. Dann hat er Lust, gestreichelt zu werden oder mit Ihnen zu spielen und wird sich sicherlich nicht zur Wehr setzen.
Um auf die Bestrafung zurückzukommen: Schläge und lautes Geschrei sind völlig ungeeignet, um einen Stubentiger zu bestrafen. Katzen sind hochsensible Tiere und reagieren äußerst negativ auf rüde Umgangsformen. Greift ein Katzenhalter häufig zu derartig unangemessenen "Erziehungsmethoden", wird er innerhalb kürzester Zeit einen völlig verstörten Stubentiger herangezogen haben, der sich mit allen Mitteln zur Wehr setzt, sobald er in die Enge getrieben wird. Auf diese Weise hat der Katzenhalter selbst die Grundlage für aggressives Verhalten geschaffen.

Stress-Situationen

Katzen mögen keine Veränderungen. Sie legen Wert auf einen geregelten Tagesablauf, gleichbleibende Bezugspersonen und ein vertrautes Umfeld. Veränderungen bedeuten Stress und darauf reagieren viele Stubentiger mit bisweilen unangenehmen Verhaltensänderungen.
Es gibt viele Umstände, die für eine Katze Stress bedeuten: Aufdringlicher Besuch ist ein Beispiel. Viele Stubentiger betrachten es als überaus lästig, von unbekannten Personen angefasst zu werden und reagieren teilweise recht aggressiv, wenn neugieriger Besuch die Hände in den Katzenkorb reckt.
Als Katzenhalter sollte man darauf achten, dass die Privatsphäre des Vierbeiners respektiert wird. Sucht er von selbst den Kontakt zu den Gästen, ist alles in Ordnung. Zieht er sich jedoch zurück, sollte man das akzeptieren und den Vierbeiner in Ruhe lassen.

Neue Bezugspersonen haben es schwer

Auch der neue Lebenspartner des Katzenhalters kann aus Katzensicht unter die Rubrik "unerwünschter Besuch" fallen. Nicht selten reagieren Samtpfoten äußerst abweisend, sobald sich eine relativ unbekannte Person im Katzenrevier breit macht.
Vielleicht trauert der Vierbeiner dem "verstoßenen" Zweibeiner nach, vielleicht weckt "der oder die Neue" auch einfach die Eifersucht im Katzenherz. Auf jeden Fall ist Diplomatie gefordert. Die Katze muss sich schrittweise an die neue Bezugsperson gewöhnen und unter Umständen wird sie sich damit Zeit lassen. Anfangs kann es durchaus zu kleinen Übergriffen und anderen Antipathiebekundungen kommen. Geduld und Nachsicht helfen, mit solch einer brenzligen Situation klarzukommen.
Der neue Zweibeiner kann versuchen, das Katzenherz mit Hilfe von Leckerchen, gutem Zureden und freundlichen Aufforderungen zum Spielen zu gewinnen. Er sollte sich davor hüten, ebenfalls eine Antipathie aufzubauen, da solch eine Reaktion ein harmonisches Miteinander von vorneherein unmöglich macht. Wer glaubt, die Zuneigung des Stubentigers sei nicht so wichtig, sollte daran denken, dass der Haussegen auch vom Befinden des Haustieres abhängt. Katzenkenner legen Wert auf die Menschenkenntnis ihres schnurrenden Vierbeiners und wenn es zwischen der Katze und dem neuen Lebenspartner kriselt, ist das kein gutes Omen...

Umzug

Ein Umzug ist eine tiefgreifende Veränderung für eine Katze. Ihr altes Revier löst sich von einem Tag auf den anderen in Luft auf! Plötzlich ist alles neu und unbekannt. Umziehen bedeutet Stress und es kann eine ganze Weile lang dauern, bis sich der Stubentiger an die neuen vier Wände gewöhnt hat.
In der Zeit der Eingewöhnung sollte man sehr nachsichtig sein. Die Katze ist unter Umständen stark verunsichert und reagiert eventuell aggressiv, wenn man ihr zu nahe kommt. Sie braucht etwas Zeit, um sich an die neuen Lebensumstände zu gewöhnen. Sobald sie sich eingewöhnt hat, wird sie ihre ursprüngliche Ausgeglichenheit zurückerlangen.

Der Tagesrhythmus

Aggressives Verhalten kann auch durch einen veränderten Tagesrhythmus provoziert werden. War es eine Katze bislang gewöhnt, dass ihre Bezugsperson zu Hause arbeitet, wird sie es nur schwer akzeptieren, wenn der geschätzte Zweibeiner plötzlich überwiegend auswärts unterwegs ist.
Die Katze wird sich einsam und versetzt fühlen. Sie kann nicht verstehen, warum ihr Mensch auf einmal nicht mehr da ist und kurzerhand das Revier im Stich lässt. Solche Situationen gehen häufig mit dem Auftreten von Unsauberkeit und Aggressionen einher. Die Aggressionen können sich sowohl gegen Gegenstände als auch gegen den Katzenhalter selbst richten. Sensible Katzen reagieren manchmal auch mit Verhaltensstörungen, die bereits als Selbstaggression gewertet werden können: Permanentes Belecken bestimmter Körperstellen gehört dazu. Betroffene Katzen lecken solange, bis offene Wunden entstehen.

Krankheit

Verhält sich eine Katze plötzlich aggressiv, ohne dass ein ersichtlicher Grund für ihr offensives Verhalten zu finden ist, sollte man ihren Gesundheitszustand überprüfen. Es ist möglich, dass sie sich unwohl fühlt oder sogar Schmerzen hat. Erkrankungen führen meistens zu Verhaltensänderungen und können auch zu aggressiven Reaktionen gegenüber dem Katzenhalter führen.
Futterverweigerung, ein schlechter Fellzustand, eine veränderte Kotkonsistenz und Mattigkeit sind häufig Anzeichen für eine Erkrankung. Sind diese Symptome bei einer Katze zu beobachten, ist es höchstwahrscheinlich, dass ihr aggressives Verhalten krankheitsbedingt ist. Ein Besuch beim Tierarzt hilft sicherlich, die Angelegenheit zu klären.

Wie gehe ich mit einer aggressiven Katze um?

Geduld und Verständnis sind gefragt, wenn der Stubentiger garstig ist. Zwangsmaßnahmen sind völlig ungeeignet und würden die Aggressionsbereitschaft nur noch fördern. Man sollte überlegen, in welchen Situationen die Katze aggressiv reagiert und versuchen, riskante Situationen zu entschärfen.
Möchte die Katze beispielsweise nicht gestreichelt werden, so hat man das einfach zu akzeptieren. Treten Aggressionen bei der Fellpflege auf, gestaltet sich die Lage etwas schwieriger: Langhaarige Schönheiten sind häufig auf die menschliche Mithilfe angewiesen, wenn es um die Körperpflege geht. Umso schlimmer ist es, wenn sich die Katze aus irgendwelchen Gründen weigert, sich der Pflegeprozedur zu unterziehen. In ganz extremen Fällen endet die Bürsten-Aversion mit einer Radikalschur unter Vollnarkose.
Fährt der Stubentiger beim Bürsten und Kämmen böswillig die scharfen Krallen aus, hat das einen bestimmten Grund. Vielleicht ist die Bürste ungeeignet oder der Kamm zu spitz? Vielleicht bürsten wir zu grob und bereiten unserer Katze Ungemach?
Oft liegt die Ursache allerdings viel weiter zurück. Katzen sollten so früh wie möglich an regelmäßiges Bürsten und Kämmen gewöhnt werden. Wurde diese Erfahrung während der ersten Prägungsphase versäumt, hat es der zukünftige Besitzer schwer. Bürstenscheue Katzen sind nämlich sehr hartnäckig und entwickeln sich nur in den seltensten Fällen zu echten Freunden der Pflegestunde.
Da bestimmte Rassen nun einmal auf regelmäßiges Bürsten angewiesen sind, kommen wir nicht umhin, ab und zu gegen den Willen unserer Katze zu handeln. Ruhiges Zureden, sanftes einfühlsames Bürsten und das Belohnen mit einem Leckerbissen können widerspenstigen Schmusetigern die verhasste Pflege-Session zumindest etwas versüßen.

Beugen Sie Aggressionen vor!

Aggressives Verhalten gegenüber Menschen ist einer der Hauptgründe, der verzweifelte Katzenhalter dazu veranlasst, sich von ihrem Tier zu trennen. Viele fühlen sich durch eine solche Situation überfordert und haben Angst, dass unbeteiligte Dritte oder kleine Kinder zu Schaden kommen könnten.
Der Kleinanzeigenteil der Zeitungen ist voll von Anzeigen, die erwachsene Katzen anpreisen. Andeutungen wie "Kitty mag keine anderen Haustiere", "Minka sollte nicht zu kleinen Kindern" oder "Carlo ist etwas zickig", lassen tief blicken. Auch ein Besuch im Tierheim bestätigt, dass aggressive Katzen oft kurzerhand ausgesetzt oder im Tierheim abgegeben werden. Viele der Tiere sind völlig verunsichert und fauchen bereits, wenn man sich ihrem vergitterten Übergangsheim nähert. Die Tierheimleiter leiden unter der Situation: Schwierige Katzen sind schwer vermittelbar.
Dabei hat aggressives Verhalten gegenüber Menschen stets eine Ursache und ist somit weitgehend vorzubeugen! Wer bei der Auswahl seiner Katze gezielt vorgeht, seinem Tier einen artgerechten Lebensraum einrichtet, ihm katzengerechte Zuwendung und Pflege angedeihen lässt, wird in den seltensten Fällen Probleme mit seinem Stubentiger bekommen.

Aggressionsformen bei Katzen:

Spielaggression:

Diese Aggressionsform tritt gehäuft bei Jungtieren auf. Anzeichen sind: Angelegte Ohren, Schwanzschlagen und Ausfahren der Krallen. Kitten müssen lernen, dass es Grenzen gibt. Ansonsten kann Spielaggression übertrieben werden und zu Verletzungen führen.

Angstaggression:

Fliehen oder Kämpfen gehören zum Alltag aller freilebenden Tiere. Die Angstaggression ist eine Reaktion auf eine gefährliche Situation. Tritt Angstaggression auf, hat die Katze keine Möglichkeit, der Situation auszuweichen (Vielleicht wird sie in die Enge getrieben). Eindeutige Anzeichen sind: Angelegte Ohren, eine zusammengekauerte Körperhaltung und ein eingezogener Kopf. Wird die betroffene Katze weiterhin durch den Aggressor belästigt, wird sie mit ihren Vorderpfoten nach ihm schlagen und versuchen, ihn zu umklammern, um zusätzlich die Zähne zum Einsatz zu bringen.

Beuteaggression:

Die Beuteaggression ist auf den Jagdtrieb der Katze zurückzuführen. Anpirschen, Auflauern und blitzschnelles Zuschlagen sind typische Verhaltensweisen. Im Alltag muss sich Beuteaggression übrigens nicht gegen ein echtes Beutetier richten: Menschliche Füße, Spielzeuge und Artgenossen können den gleichen Reiz ausüben.