Die
Körpersprache ist das bevorzugte Kommunikationsmittel der
Katze. Zwar gehören zu ihrem Sozialverhalten auch Lautäußerungen,
gezielte Berührungen und das Setzen von Duftmarken; die Körpersprache
aber ist eindeutig die am häufigsten eingesetzte Variante.
Mit
ihrem Körper signalisiert eine Katze die unterschiedlichsten
Stimmungen und Gefühlslagen: Wohlbefinden, Aggression, Verteidigung,
Aufmerksamkeit, Angst und Paarungsbereitschaft. Darüber hinaus
besteht ihr Kommunikationsrepertoire aus eigens für ihren
menschlichen Lebenspartner konzipierten Verhaltensweisen. Geschickt
fordert sie ihn ganz individuell zum Spielen auf oder buhlt um
Streicheleinheiten und Leckerchen.
Die Körpersprache setzt sich aus angeborenem und erlerntem
Verhalten zusammen. Der Milchtritt und das Flehmen zum Beispiel
sind angeborene Bewegungen. Andere soziale Signale wie das "Köpfchengeben"
oder der "Breitseitgang" werden erst im Laufe der Zeit
erlernt. Wenn ein Kitten zu früh von seiner Mutter getrennt
wird und ohne den Kontakt mit Artgenossen aufwächst, kann
es nur die angeborenen Verhaltensweisen entwickeln. Kommt das
isoliert herangewachsene Tier dann doch einmal in eine Situation,
in der es auf Artgenossen trifft, kann es Verständigungsprobleme
geben. Dennoch wird eine unerfahrene Katze ihr Entwicklungsdefizit
rasch ausgleichen. Die Verhaltensweisen der anderen Katzen sind
hervorragende Lehrmeister.
Wohlfühlen
Für
Katzenhalter ist es unabdingbar, sich mit der Körpersprache
ihrer Haustiere vertraut zu machen. Nur so können sie ihre
Katze verstehen und gezielt auf ihre Bedürfnisse eingehen:
Eine Katze die sich wohlfühlt, macht einen entspannten und
freundlichen Eindruck. Ihre Ohren sind nach vorne gerichtet und
ganz leicht seitlich abgedreht. Die Schnurrhaare sind dezent gefächert;
das Auge der Katze hat einen ganz ruhigen Ausdruck.
Liegt die Katze wohlig auf ihrem kuscheligen Lieblingsplätzchen,
strahlt ihr gesamter Körper Wohlbefinden aus. Die Vorderbeine
werden lässig vor der Brust eingerollt oder (bei einer Seitenlage)
räkelnd ausgestreckt. Dreht sich der Stubentiger nun sogar
auf den Rücken und präsentiert uns auffordernd sein
Bäuchlein, sind Wohlbefinden und Entspannung perfekt.
Sucht eine Katze unsere Nähe, signalisiert sie dies unter
Umständen, indem sie mit erhobenem Kopf und aufgerichtetem
Schwanz auf uns zugelaufen kommt. Eventuell werden ihre Annäherungsversuche
von liebevollem Miauen begleitet. Springt sie dann auf unseren
Schoß, rollt sich zusammen und beginnt zu schnurren, wissen
wir: Unsere Katze fühlt sich "pudelwohl".
Aufmerksamkeit
Gespitzte,
nach vorne gerichtete Ohren signalisieren, dass irgend etwas die
Aufmerksamkeit der Katze erregt hat. Ihre Schnurrhaare stellen
sich ebenfalls nach vorne und sind breit gefächert. Der gesamte
Körper wirkt angespannt; jeder einzelne Muskel scheint für
eine spontane Aktion bereit zu sein. Das leichte Zucken der Schwanzspitze
ist ein weiteres Anzeichen für eine gesteigerte Aufmerksamkeit.
Abhängig von der Aufmerksamkeit erregenden Ursache ist die
Körpersprache mehr oder weniger deutlich. Aufmerksamkeit
variiert bei Katzen von gelangweiltem Wahrnehmen bis hin zum temperamentvollen
Jagdfieber. Ein altbekanntes Spielzeug übt dabei natürlich
weniger Reiz aus als ein flatternder Vogel, der - falls er unerreichbar
ist - zu lautem Geschnatter und Geschmatze der Katze führen
kann.
Abwehr
Leider
sind die Signale einer zur Abwehr bereiten Katze teilweise äußerst
subtil. Deshalb werden sie leicht übersehen - vor allem von
Menschen und Hunden. Die Folgen eines Übersehens dieser Variante
der Körpersprache können zu schmerzhaften Krallenhieben
und unangenehmen Bissen führen.
Die Ohren sind in der Abwehrhaltung seitlich weggeklappt. Die
Pupillen der Katze vergrößern sich deutlich. Die Schnurrhaare
liegen eng an. Unter Umständen ist das Maul ein wenig geöffnet,
so dass die Zähne sichtbar werden. Die Hinterbeine sind leicht
eingeknickt; der Kopf wird gesenkt getragen. Abwehrbereite Katzen
machen manchmal auch einen Buckel und gehen in die "Breitseitstellung".
Rücken- und Schwanzhaare sind gesträubt; der Schwanz
schlägt unwillig hin und her oder verweilt in aufgerichteter
Stellung, in der die Sträubung des Fells für den Gegner
am imposantesten ist. Knurren, fauchen oder Spucklaute signalisieren:
"Komm’ nur! Ich habe keine Angst vor dir!".
Angriff
Vor
einem Angriff sind die Beine der Katze hochaufgerichtet. Diese
Körperhaltung soll das eigene Volumen optisch vergrößern.
Die Ohren sind extrem nach hinten gedreht und können sogar
flach am Kopf anliegen. Die Schnurrhaare sind weit gefächert;
das Maul ist deutlich geöffnet; die Lippen werden zurückgezogen.
Furchteinflößendes Grollen, Spucken und Fauchen erklingt.
Die Pupillen haben sich zu kleinen Schlitzen verengt; der gesträubte
Schwanz wird kurz über der Wurzel abgeknickt; die Schwanzspitze
zuckt kampfeslustig.
Bezüglich des Angriffes unterscheidet die Verhaltensforschung
Kommentkämpfe und Beschädigungskämpfe: Beim Kommentkampf
versucht eine Katze zwar auch, ihren Gegner durch röhrendes
Kampfgeschrei, Breitseitendrohen, gesträubtes Fell und erhobene
Pfoten zu beeindrucken, aber sie vermeidet ihren Widersacher direkt
anzusehen. Bei einem Kommentkampf entstehen keine Verletzungen
- außer, er verwandelt sich in einen Beschädigungskampf.
Solche Kämpfe werden mit großer Heftigkeit ausgetragen
und gehen teilweise mit schweren Verletzungen der Kontrahenten
einher. Vor einem Beschädigungskampf blicken sich die Tiere
direkt in die Augen.
Angst
Katzen,
die Angst empfinden, haben eine unterwürfige Ausstrahlung:
Sie verweilen in geduckter Haltung. Manche machen allerdings auch
einen Buckel und peitschen unsicher mit dem Schwanz. Die Ohren
sind seitwärts gerichtet; die Pupillen wirken riesengroß.
Eventuell ist auch das Maul geöffnet und man vernimmt ein
leises ängstliches Miauen. Bei großer Angst kann sich
das Miauen auch zu lautem Kreischen steigern. Die Schnurrhaare
und das Fell der Katze liegen eng an. Sie macht sich eben so klein
wie möglich. Jedoch Vorsicht! Eine ängstliche Katze
kann plötzlich zu einer kratzenden Furie werden, wenn sie
keinen Ausweg sieht und sich in die Enge getrieben fühlt.
Sie wird mit aller Heftigkeit reagieren, um sich aus der angsteinflößenden
Situation zu befreien.
Lautäußerungen
Neben
der Körpersprache sind Lautäußerungen das gebräuchlichste
Kommunikationsmittel der Katze. Die stimmlichen Fähigkeiten
einer Katze reichen von zärtlichem Gurren bis hin zu pathetischen
Arien und kriegerischem Kampfgeschrei.
Manche Laute sind nur für andere Katzen bestimmt, andere
dienen auch der Kommunikation mit dem Menschen. Das langgezogene
an- und abschwellende Heulen des Katergesangs zum Beispiel ist
eine Kampfdrohung und richtet sich in erster Linie an andere Kater.
Erweist sich ein Gegner als der Stärkere, so wird der Unterlegene
sein Leid mit lautem Kreischen bekunden.
Schnurren signalisiert Wohlbefinden, wird aber auch in Angstsituationen
- offensichtlich zur Beruhigung - beobachtet.
Miauen kann eine Katze in allen erdenklichen Tonlagen. Es kann
fast alles bedeuten und wird am erfolgreichsten interpretiert,
indem man die gesamte Körperhaltung der Katze miteinbezieht.
Kleine Kätzchen miauen kläglich, wenn sie von ihrer
Mutter verlassen werden; unzufriedene Katzen miauen unwirsch vor
sich hin; hungrige Katzen miauen, um ihren Besitzer zum Auffüllen
des Futternapfes zu bewegen; manche Stubentiger miauen zur Begrüßung...
Das Gurren wird auch als "Plaudersprache" der Katze
bezeichnet. Es wird genau wie das Miauen in vielen unterschiedlichen
Lebenslagen angewendet, ist aber ausnahmslos freundlich gemeint.
Katzen gurren untereinander um sich zur gegenseitigen Fellpflege
oder zum Kuscheln aufzufordern. Oft begrüßen sie so
auch den ihnen vertrauten Menschen oder versuchen, ihn dadurch
zum Spielen zu animieren.
Fauchen, Spucken und Grollen wird sowohl bei Artgenossen als auch
gegenüber dem Menschen eingesetzt. In beiden Fällen
bedeutet es, dass die Katze ihr Gegenüber auf Abstand halten
möchte.
Erfahrung
hilft Missverständnisse zu vermeiden
Wer
Katzen liebt und in Harmonie mit ihnen zusammenleben möchte,
kommt nicht umhin, sich mit der Körpersprache seines Stubentigers
auseinander zusetzen. Katzenunerfahrene Menschen sollten besonders
genau auf die Ausdrucksweisen ihres neuen Haustieres achten und
lernen, sie katzengerecht zu interpretieren. In der Regel wissen
Stubentiger genau, wie sie "ihren Menschen" zu erziehen
haben.
Leider kommt es trotzdem immer wieder vor, dass Katzenhalter die
Verhaltensweisen ihres Tieres einfach ignorieren oder völlig
missverstehen. Das kann böse Folgen haben: Leicht werden
ernsthafte Erkrankungen übersehen oder wichtige Bedürfnisse
der Katze bleiben unerfüllt. Geht man nicht auf die individuellen
Anforderungen einer Katze ein, wird sie mit der Zeit unzufrieden
und unausgeglichen. Nicht selten entwickeln Katzen aus einer solchen
Situation heraus Unsauberkeit und sorgen dafür, dass der
Haussegen so richtig schief hängt.
